Ich hatte Augen und Herz
krank vor Sehnsucht,
die eine von der anderen verschieden,
stets brannte ein glühendes Fieber
das arme Herz mir aus,
und stets träufelte das Auge
einen katarrhalischen Regen,
der gefährlich ausfließend
mir das ganze Gehirn erschöpfte.
Da sprach mein Herz zu den Augen:
DAS HERZ
Es ist nur recht, dass unablässig
ein rächender Regen
das Leid wäscht, das ihr verursacht habt,
denn durch euch drang der Pfeil ein,
der mir das Fieber verursacht hat,
als meine von Tau benetzten Augen,
meine Sorge träufelnd,
dem Herzen so antworteten.
DIE AUGEN
Doch ihr seid es, die ihr Ursache wart
des ersten Übels, das uns verursacht
bei euch die brennende Hitze
und bei uns die feuchte Träne.
Wohl wahr ist, dass wir
Urheber des Leids waren, die den Pfeil empfingen,
der euch verwundet hat,
doch er ging so schnell vorüber,
dass wir ihn kaum gezogen sahen,
als wir ihn schon in uns spürten:
Ihr hättet als Stärkerer
gegen seinen ersten Andrang
etwas Widerstand leisten sollen,
doch ihr schlosst sogleich
Bekanntschaft mit ihm,
um uns all die Not zu bereiten.
O ihr schön gefassten Täler!
Da ihr die Pein ebenso erduldet
wie wir, weil ihr allein
uns habt täuschen wollen.
Denn die Sache ist vernünftig:
» Dass der elende Betrüger
das Übel auf sich nehme,
das er gegen andere anzettelte,
» und dass er für seinen Betrug sterbe.
So zankten meine Augen zu jeder Stunde
und mein Herz gegen meine Augen
aufrührerisch miteinander,
als ihr, meine süße Herrin,
für meine Not sorgend
und für meinen neuen Schmerz,
mir ein Wasser schenktet,
das mir das verlorene Licht
meiner beiden Augen zurückgab.
Nun bleibt noch das Herz zu retten,
das dem Tode entgegengeht,
wenn es euch nicht gefällt, dass man ihm
wie den Augen eine Gnade erweist.
Doch um die Hitze zu löschen,
die es verzehrt, bedarf es nur,
dass ich einmal mit der meinen
euren Mund berühre,
damit der süße Kuss
gänzlich besänftige
durch den Hauch seines Atems
die allzu unmenschliche Flamme,
die Amor mit seinen Flügeln
mir ringsum entfacht,
seit jener Stunde, da der Pfeil
von euren Augen ihm die Bresche schlug
so tief, dass es nicht genesen kann,
wenn es nicht stürbe,
oder wenn euer süßer Atem
es nicht aus der Pein zöge
Pierre de Ronsard
Übersetzung von Poésies 123 mit Unterstützung des KI-Modells deepseek-chat erstellt.
Text veröffentlicht auf Poésies 123: https://www.poesies123.com/de/gedicht-ode-im-dialog-der-augen-und-seines-herzens-pierre-de-ronsard/
