Male mir, Janet, male mir, ich flehe dich an,
In diesem Bild die Schönheiten meiner Freundin,
So wie ich sie dir beschreiben werde.
Nicht werde ich dich wie ein Aufdringlicher bitten,
Durch lügnerische Kunst ihr eine Gunst zu erweisen:
Es genügt vollauf, wenn du sie zu malen verstehst
So wie sie ist, ohne ihr Naturell verfälschen
Zu wollen, um sie zu begünstigen,
Denn Gunst ist nur gut für jene,
Die sich malen lassen und nicht schön sind.
Mache ihr zuerst die welligen Haare,
Geknotet, gedreht, gekräuselt, geringelt,
Die in der Farbe die Zeder darstellen;
Oder entwirre sie, und dass sie im Bild frei
Den gleichen Duft ihrer eigenen Haare verströmen,
Wenn du es durch Kunst vermagst,
Denn ihre Haare duften wie Blümchen,
Wenn die Zephyre sie im Frühling anwehen.
Ihre schöne Stirn sei nicht durchfurcht
Von keiner Furche, die sich tief erstreckt,
Sondern sei wie die ebene Meeresfläche,
Wenn auch nur ein wenig der Wind sie aufwühlt,
Und die daliegend in ihrem Bett schläft,
Ihre durchfurchten Wogen mit totem Schlaf beruhigend.
Ganz in der Mitte steige über den Strand
Ein schöner Rubin, dessen Glanz sich ausbreitet
Über das Bild, wie man bei Nacht
Die Strahlen des leuchtenden Mondes erglänzen sieht
Über dem Schnee, der im Grund eines Tals gefallen,
Von keiner Menschenspur noch getreten.
Danach mache ihr die schöne gewölbte Braue
Aus schwarzem Ebenholz, und ihre geschwungene Biegung
Gleiche einem Halbmond, der durch die Wolken
Im ersten Monat seine gehörnte Wölbung zeigt.
Oder wenn du je den Bogen Amors gesehen hast,
Nimm sein Abbild entlang der halben Rundung
Seiner Krümmung, die zum Halbkreis sich neigt,
Denn Amors Bogen und sie sind ein und dasselbe.
Doch ach! mein Gott, mein Gott, ich weiß nicht,
Auf welche Weise, noch wie, du malen wirst
(Selbst wenn du die Kunstfertigkeit des Apelles hättest)
Die natürliche Anmut ihrer schönen Augen,
Die die Sterne des Himmels beschämen.
Das eine sei sanft, das andere wild,
Das eine halte es mit Mars, das andere mit Venus;
Vom gütigen komme alle Hoffnung,
Und vom grausamen komme alle Verzweiflung;
Das eine sei mitleidvoll und tränenreich anzusehen,
Wie das der verlassenen Ariadne
An den Ufern von Die, als die Wahnsinnige,
Nahe dem Meer, sich in Tränen verzehrte,
Und ihren Theseus vergeblich rief;
Das andere sei fröhlich, wie es wohl glaubhaft ist,
Dass ihn einst die lobenswerte Penelope hatte,
Als sie ihren Gatten zurückkehren sah,
Der zwanzig Jahre fern von ihr verweilt hatte.
Danach mache ihr das runde Öhrchen,
Klein, ebenmäßig, zwischen weiß und rosig,
Das unter dem Schleier erscheine so wie
Eine Lilie, eingeschlossen in Kristall,
Oder ganz so, wie eine Rose erscheint,
Ganz frisch in ein Glas eingeschlossen.
Doch umsonst hättest du so schön gemacht
Den ganzen Schmuck deines reichen Bildes,
Wenn du nicht von der Linienführung
Ihrer schönen Nase das Gemälde recht gemalt hättest.
Male sie mir also schlank, lang, adlerartig,
Glatt, wohlgeformt, woran der neidische Bösewicht,
Wenn er wollte, nichts auszusetzen wüsste,
So geschickt wirst du sie herabsinken lassen
Mitten im Gesicht, so wie herabsinkt
In einer Ebene ein kleiner Hügel, der sich neigt.
Danach male mir nach dem Leben ihre schöne Wange,
Gleich der Farbe der Rose, die sich bindet
Über der Milch, oder der Farbe der weißenden
Lilie, die eine errötende Nelke küsst.
In die Mitte zeichne ein Grübchen,
Grübchen, nein, sondern Amors Versteck,
Von wo dieser Knabe mit seiner kleinen Hand
Hundert Pfeile abschießt und nie einen umsonst,
Dass er nicht durch die Augen direkt ins Herz trifft.
Ach! Janet, um ihren Mund recht zu malen,
Kaum Homer in seinen Versen würde dir sagen,
Welches Zinnoberrot ihm gleichkommen könnte,
Denn um ihn zu malen, wie er es verdient,
Müsste man den einer Charitin malen.
Male ihn mir also, dass er zu sprechen scheint,
Bald lächelt, bald die Luft mit ich weiß nicht
Welchem ambrosischen Atem parfümiert.
Doch vor allem mache, dass er voll scheint
Von der Süße der Überzeugung.
Ringsum befestige eine Million
Von Lächeln, Reizen, Spielen, Höflichkeiten,
Und dass zwei Reihen auserlesener Perlen
In gleicher Ordnung anstelle der Zähne
Wohlfein darin angeordnet seien.
Male ringsum eine küssenswerte Lippe,
Die von selbst, indem sie sich erhebt, auffordert,
Geküsst zu werden, mit einer Farbe gleich
Entweder der Rose oder der roten Koralle,
Diese flammend im Frühling am Dorn,
Jene errötend im Grund des Meeres.
Male ihr Kinn in der Mitte mit Grübchen,
Und dass das Ende in runder Apfelform
Ganz so sei, wie man erscheinen sieht
Das Ende eines Keils, der schon zu wachsen beginnt.
Weißer als geronnene Milch auf der Binse
Male ihr den Hals, doch male ihn ein wenig lang,
Schlank und fleischig, und ihre zarte Brust
Sei wie der Hals ein wenig länglich.
Danach mache ihr, mit gerechtem Zirkel,
Und von Juno die Ellbogen und Arme,
Und die schönen Finger von Minerva, und noch
Die Hand gleich der der Aurora.
Ich weiß nicht mehr, mein Janet, wo ich bin,
Ich bin verwirrt und stumm: ich kann nicht,
Wie ich es tat, dir den Rest verkünden
Ihrer Schönheiten, der mir nicht offenbar ist.
Ach! denn niemals hatte ich so viele Gunst,
Dass ich ihre schönen Brüste nackt gesehen hätte.
Doch wenn man nach Vermutung urteilen kann,
Überzeugt von Gründen, bin ich sicher,
Dass die Schönheit, die nicht erscheint, ganz
Der entsprechen muss, die man sieht.
Also male sie, und sie sei mir gemacht
So vollkommen, wie die andere vollkommen ist.
Wie in Relief erhebe mir ihren Busen,
Rein, weiß, glatt, breit, tief und voll,
In dem tausend verzweigte Adern
Von rotem Blut zittern, alle voll.
Dann, wenn du nach dem Leben aufgedeckt hast
Unter der Haut die Muskeln und die Nerven,
Schwelle darüber zwei neue Äpfel,
Wie man zwei grünliche Äpfel sieht
Von einem Orangenbaum, die noch ganz
Nur eben erst an der Spitze sich zu röten beginnen.
Ganz oben auf den marmornen Schultern,
Male den Sitz der göttlichen Chariten,
Und dass Amor unaufhörlich flatternd
Sie immer brütend wärme und anwehe,
Im Gedanken, mit dem Spiel, seinem Bruder, zu fliegen
Von Zweig zu Zweig in den Gärten von Cythera.
Ein wenig tiefer, in runder Spiegelform,
Ganz rundlich, fettlich, gewölbt,
Wie der der Venus, male ihren Bauch;
Male ihren Nabel wie ein kleines Zentrum,
Dessen Grund röter erscheine
Als eine schöne Nelke, die sich der Sonne öffnet.
Worauf wartest du noch? Zeichne mir das andere Ding,
Das so schön ist und das zu sagen ich nicht wage,
Und dessen Hoffnung mich ungeduldig sticht;
Doch ich bitte dich, beschatte es mir nicht,
Es sei denn mit einem Schleier aus Seide,
Klar und fein, damit man es halb durchsieht.
Ihre Schenkel seien wie auf der Drehbank gemacht
Mit vollem Fleisch, rund ringsum,
Wie ein künstlich gerundeter Terminus,
Der fest ein königliches Gebäude stützt.
Wie zwei Berge erhebe ihre Knie,
Zart, fleischig, rund, zierlich und weich,
Unter denen mache ihr die volle Wade,
Wie sie die Jungfrauen von Lakedämon haben,
Wenn sie am bekannten Ufer kämpfen
Des Flusses Eurotas, den Körper ganz nackt,
Oder jagend mit entkoppelten Meuten
Einen großen Hirsch in den amykläischen Wäldern.
Dann, zum Schluss, zeichne ihr von Thetis
Die schmalen Füße und die kleinen Fersen.
Ha, ich sehe sie! Sie ist fast gemalt,
Noch ein Strich, noch einer, sie ist fertig!
Erhebe deine Hände, ach mein Gott! Ich sehe sie!
Wenig fehlt, dass sie nicht zu mir spricht.
Pierre de Ronsard
Übersetzung von Poésies 123 mit Unterstützung des KI-Modells deepseek-chat erstellt.
Text veröffentlicht auf Poésies 123: https://www.poesies123.com/de/gedicht-elegie-an-janet-maler-des-koenigs-pierre-de-ronsard/
