Abschied vom Meer

Gedicht von Alphonse De Lamartine Sammlung Neue poetische MeditationenEpoche 19. Jahrhundert

Murmle um mein Boot,
Sanftes Meer, dessen liebe Fluten,
Wie eine treue Geliebte,
Eine ewige Klage erheben
Über diesen poetischen Trümmern.

Wie liebe ich es, auf deiner Welle zu treiben,
Zur Stunde, da von der Höhe des Felsens
Der Orangenbaum, die fruchtbare Rebe
Auf deine tiefe Woge
Einen dem Schiffer günstigen Schatten gießen!

Oft, in meinem ruderlosen Boot,
Mich deiner Liebe anvertrauend,
Als wollte ich meine Seele einlullen,
Schließe ich beim Schwanken deiner Welle
Meine vom Tag ermüdeten Blicke.

Wie ein geschmeidiges und folgsames Ross,
Dem man den Zaum lose hängen lässt,
Stets zu einem kühlen Zufluchtsort
Treibt du mein zerbrechliches Boot
Mit dem Schaum deiner Ufer.

Ach! wiege, wiege, wiege noch,
Wiege zum letzten Mal,
Wiege dieses Kind, das dich anbetet,
Und das seit seiner zarten Morgenröte
Nur von der Welle und den Wäldern träumte!

Der Gott, der die Welt
Mit deinem anmutigen Element schmückte,
Damit hier alles einander entspreche,
Schuf die Himmel, um auf der Welle zu leuchten,
Die Welle, um die Himmel widerzuspiegeln.

So rein wie in meinem Augenlid
Dringt der Tag in deine reine Flut,
Und in deiner glänzenden Bahn
Scheinst du das Licht zu rollen
Mit deinen Fluten aus Gold und Azur.

So frei wie der Gedanke,
Zerbrichst du das Schiff der Könige,
Und in deinem wahnsinnigen Zorn,
Dem Gott treu, der dich schleuderte,
Hältst du nur auf seine Stimme an.

Erhabenes Bild der Unendlichkeit,
Von Welle zu Welle trägt das Auge dich fort
Und folgt dir vergebens von Ufer zu Ufer,
Der Geist sucht vergebens dein Gestade,
Wie jene der Ewigkeit.

Deine majestätische und sanfte Stimme
Lässt das Echo deiner Ufer erzittern,
Oder auf dem Gras, das dich zurückdrängt,
Wie der Zephyr im Moos,
Murmelt sie sterbende Akkorde.

Wie liebe ich dich, o geschmeidige Welle,
Wenn unter meinem scheuen Schiff,
Wie ein Riese, der sich demütigt,
Unter dieser eitlen Last die Woge sich beugt
Und mir eine flüssige Wiege gräbt.

Wie liebe ich dich, wenn, der Zephyr
Eingeschlafen in deinen kühlen Grotten,
Dein Ufer zu lächeln scheint,
Weil es in deinem bewunderten Schoß
Den Schatten seiner Wälder treiben sieht!

Wie liebe ich dich, wenn an meinem Heck
Girlanden in tausend Farben,
Im Wind, der sie zerschneidet, hängend,
Dich bekränzen wie einen Kelch,
Dessen Ränder mit Blumen verschleiert sind!

Wie süß ist es, wenn der Wind
Deinen sanft bewegten Schoß liebkost,
Zu sehen, wie unter meiner Hand, die sie presst,
Deine Welle, die anschwillt und sich senkt,
Wie der Busen der Schönheit!

Komm, meinem flüchtigen Boot
Komm den Abschiedskuss geben;
Rolle ringsum eine klagende Stimme,
Und mit dem Schaum deines Ufers
Benetze noch meine Stirn und meine Augen.

Lass auf deiner beweglichen Fläche
Mein Boot nach Belieben treiben,
Sei es unter der Grotte der Sibylle,
Sei es auf dem Grab des Vergil:
Jede deiner Wellen ist mir heilig.

Überall, an deinem geliebten Ufer,
Wo die Liebe mein Herz erweckte,
Findet meine Seele, bei seinem Anblick gerührt,
Eine Zuflucht, eine Heimat,
Und Trümmer ihres Glücks,

Treibe dahin: an welchem Gestade
Du mich auch treiben lässt,
Jede Welle bringt mir ein Bild;
Jeder Felsen deines Ufers
Lässt mich erinnern oder träumen…

Alphonse de Lamartine

Übersetzung von Poésies 123 mit Unterstützung des KI-Modells deepseek-chat erstellt.

Text veröffentlicht auf Poésies 123: https://www.poesies123.com/de/gedicht-abschied-vom-meer-alphonse-de-lamartine/