Eine Taube hatte ihr Nest
ganz nahe beim Nest einer Elster.
Das nennt man schlechte Gesellschaft sehen,
einverstanden; doch davon ist für jetzt nicht die Rede.
Im Heim der Turteltaube
war nichts als Liebe und Glück;
im anderen Nest immer Zank,
zerbrochene Eier, Lärm und Getöse.
Wenn die Elster von ihrem Gatten geschlagen wurde,
kam sie zu ihrer Nachbarin,
dort schwatzte, schrie, beklagte sie sich
und hielt die lange Musterung
der Fehler ihres teuren Gatten:
er ist stolz, anspruchsvoll, hart, jähzornig, eifersüchtig;
außerdem weiß ich sehr wohl, daß er Krähen besucht;
und hundert andere ähnliche Dinge,
die sie in ihrem Zorn erzählte.
Doch ihr, erwidert die Turteltaube,
seid ihr ohne Fehler? Nein, ich habe welche, sagt sie ihr;
ich vertraue es euch unter uns an:
in Betragen, in Reden bin ich ziemlich leichtfertig,
kokett wie man es ist, bisweilen ein wenig jähzornig,
und es gefällt mir oft, ihn in Wut zu bringen:
aber was ist das schon? – das ist viel zu viel, meine Liebe:
beginnt damit, euch zu bessern;
eure Laune kann ihn reizen… was nennt ihr, meine Gute?
Unterbricht sogleich die Elster:
ich, Laune! Wie! Ich erzähle euch meine Leiden,
und ihr beschimpft mich! Ich finde euch spaßig:
ade, kleine Unverschämte;
kümmert euch um eure Turteltauben.
Wir geben unsere Fehler zu;
aber nur, damit man uns widerspreche.
Florian
Übersetzung von Poésies 123 mit Unterstützung des KI-Modells deepseek-chat erstellt.
Text veröffentlicht auf Poésies 123: https://www.poesies123.com/de/fabel-die-elster-und-die-taube-jean-pierre-claris-de-florian/
