Kortège

Gedicht von Guillaume Apollinaire Sammlung AlkoholThemen VerschiedenesEpoche 20. Jahrhundert

Für Herrn Léon Bailby

Ruhiger Vogel mit umgekehrtem Flug Vogel
Der in der Luft nistet
An der Grenze wo unser Boden schon glänzt
Senke dein zweites Lid die Erde blendet dich
Wenn du den Kopf hebst

Und auch ich bin aus der Nähe düster und matt
Ein Nebel der gerade die Laternen verdunkelt hat
Eine Hand die sich plötzlich vor die Augen legt
Ein Gewölbe zwischen euch und allen Lichtern
Und ich werde mich entfernen mich erleuchtend inmitten von Schatten

Und von Reihen der Augen der geliebten Gestirne

Ruhiger Vogel mit umgekehrtem Flug Vogel
Der in der Luft nistet
An der Grenze wo schon mein Gedächtnis glänzt
Senke dein zweites Lid
Weder wegen der Sonne noch wegen der Erde
Sondern wegen jenes länglichen Feuers dessen Intensität zunehmen wird
Bis zu dem Punkt dass es eines Tages das einzige Licht sein wird

Eines Tages
Eines Tages erwartete ich mich selbst
Ich sagte mir Guillaume es ist Zeit dass du kommst
Damit ich endlich erfahre jener den ich bin
Ich der die anderen kennt
Ich kenne sie durch die fünf Sinne und einige andere
Es genügt mir ihre Füße zu sehen um diese Menschen zu Tausenden wiederherzustellen
Ihre panischen Füße zu sehen ein einziges ihrer Haare
Ihre Zunge zu sehen wenn es mir gefällt den Arzt zu spielen
Oder ihre Kinder wenn es mir gefällt den Propheten zu spielen
Die Schiffe der Reeder die Feder meiner Kollegen
Das Geld der Blinden die Hände der Stummen
Oder auch wegen des Wortschatzes und nicht der Schrift Ein Brief geschrieben von denen die mehr als zwanzig Jahre haben
Es genügt mir den Geruch ihrer Kirchen zu riechen
Den Geruch der Flüsse in ihren Städten
Das Parfüm der Blumen in den öffentlichen Gärten
O Corneille Agrippa der Geruch eines kleinen Hundes hätte mir genügt
Um genau deine Mitbürger von Köln zu beschreiben
Ihre Heiligen Drei Könige und die Schar der Ursulinen
Die dir den Irrtum über alle Frauen eingab
Es genügt mir den Geschmack des Lorbeers zu kosten den man anbaut damit ich liebe oder verhöhne
Und die Kleider zu berühren
Um nicht zu zweifeln ob man friert oder nicht
O Menschen die ich kenne
Es genügt mir das Geräusch ihrer Schritte zu hören
Um für immer die Richtung angeben zu können die sie genommen haben
Es genügt mir all jene um mir das Recht zu nehmen
Die anderen wiederauferstehen zu lassen
Eines Tages erwartete ich mich selbst
Ich sagte mir Guillaume es ist Zeit dass du kommst
Und mit lyrischem Schritt schritten jene voran die ich liebe
Unter denen ich nicht war
Die mit Algen bedeckten Giganten gingen in ihren Städten
Unterwasser wo nur die Türme Inseln waren
Und dieses Meer mit den Klarheiten seiner Tiefen
Floss als Blut meiner Adern und lässt mein Herz schlagen
Dann auf dieser Erde kamen tausend weiße Völkerschaften
Von denen jeder Mann eine Rose in der Hand hielt
Und die Sprache die sie unterwegs erfanden
Lernte ich aus ihrem Mund und ich spreche sie noch
Der Kortège zog vorbei und ich suchte darin meinen Körper
Alle die hinzukamen und nicht ich selbst waren
Brachten Stück für Stück von mir selbst herbei
Man baute mich nach und nach auf wie man einen Turm errichtet
Die Völker häuften sich und ich erschien selbst
Den alle Körper und die menschlichen Dinge gebildet haben

Vergangene Zeiten Verstorbene Die Götter die ihr mich formtet
Ich lebte nur im Vorbeigehen so wie ihr vorbeigingt
Und indem ich meine Augen von dieser leeren Zukunft abwandte
Sehe ich in mir selbst die ganze Vergangenheit wachsen

Nichts ist tot außer was noch nicht existiert
Nah der leuchtenden Vergangenheit ist das Morgen farblos
Es ist auch formlos nah dem was vollkommen
Zugleich die Anstrengung und das Ergebnis darstellt

Guillaume Apollinaire

Übersetzung von Poésies 123 mit Unterstützung des KI-Modells deepseek-chat erstellt.

Text veröffentlicht auf Poésies 123: https://www.poesies123.com/de/gedicht-kortege-guillaume-apollinaire/