Der Dieb

Gedicht von Guillaume Apollinaire Sammlung AlkoholThemen Religion, TräumeEpoche 20. Jahrhundert

CHOR

Fremder Marodeur unglücklich ungeschickt
Dieb Dieb warum hast du diese Früchte nicht verlangt
Doch da du Hunger hast da du im Exil bist
Er weint er ist Barbar und gut verzeiht ihm

DER DIEB

Ich bekenne den Diebstahl der süßen Früchte der reifen Früchte
Doch nicht das Exil bin ich gekommen vorzutäuschen
Und wisset dass ich mittlere Foltern erwarte
Ungerechte wenn ich alles zurückgebe was ich gestohlen habe

DER GREIS

Entsprossen dem Schaum der Meere wie Aphrodite
Sei fügsam da du schön bist Schiffbrüchiger
Sieh die Weisen machen dir sokratische Gesten
Ihr werdet von Liebe sprechen wenn er gegessen hat

CHOR

Fremder Marodeur ungeschickt und krank
Dein Vater war ein Sphinx und deine Mutter eine Nacht
Die mit Schimmern Zakynthos und die Kykladen bezauberte
Hast du den Hunger geheuchelt als du die Früchte stahlst

DER DIEB

Besitzer reifer Früchte was soll ich auf die Beleidigungen erwidern
Deine ligurische Stimme hören in einer Totenklage o Mama
Da sie endlich doch die Pubertierende und den Erwachsenen
Keinen Vorwand hatten als sich nächtens zu lieben

Es gab Früchte ganz rund wie Seelen
Und Pinienkerne bedeckten
Euren Meerengarten wo ich meine Ruder ließ
Und mein punisches Messer am Fuß dieses Pfirsichbaums

Die Zitronen von der Farbe des Öls und mit dem Geschmack kalten Wassers
Hingen zwischen den Blüten der verdrehten Zitronenbäume
Die Vögel haben mit ihrem Schnabel eure Granatäpfel verletzt
Und fast alle Feigen waren aufgesprungen

DER SCHAUSPIELER

Er trat ein in den Saal mit den Fresken die darstellen
Den sonnigen und nächtlichen Inzest in den Wolken
Setz dich dort nieder um besser die ligurischen Stimmen zu hören
Zum Klang der Kinyren der nackten Lydierinnen

Nun aber die Männer mit Theatermasken
Und die Frauen mit Halsketten an denen hing
Der Stein genommen aus der Leber eines alten Hahns von Tanagra
Sprachen untereinander die Sprache Chaldäas
Die schmachtenden Winde draußen heuchelten den Herbst
Die Gäste waren so viele Liebespaare
Die der Reihe nach sagten Dieb ich verzeihe dir
Empfange zuerst das Salz dann das Weizenbrot

Die kalte Grütze wird fade sein auf deinen Lippen
Doch der Ziegenbalg hält den weißen Wein frisch
Willst du aus Ironie dass man ein Gericht Bohnen serviere
Oder in Honig getauchte Blütenkrapfen

Eine Frau sagte ihm Du rufst niemanden an
Glaubst du also an den Zufall der im Sandglas rinnt
Dieb kennst du besser die Gesetze trotz der Menschen
Willst du das glückliche Talisman meiner Halskette

Dieb der Früchte wende zu mir deine lyrischen Augen
Füllt mit Nüssen die Tasche des Helden
Er ist edler als der pythagoreische Pfau
Der Delphin die männliche Viper oder der Stier

Wer bist du denn der du uns dank des skythischen Windes kamst
So viele sind gekommen über die Straße oder das Meer
Verirrte Eroberer die sich zu schnell entfernten
Säulen von Augenblicken die vor den Blitzen flohen

CHOR

Ein stammelnder Mann mit zwei Flammenstrahlen auf der Stirn
Zog vorüber ein winziges Volk führend zum Stolz
Jeden Tag die Wachteln und das Manna zu essen
Und das Meer wie ein Auge geöffnet gesehen zu haben

Die bärtigen Wasserschöpfer mit Binden bekleidet
Schwarz und weiß gegen die Übel und die Zauber
Kehrten vom Euphrat zurück und die Augen der Eulen
Zogen zuweilen die Schatzsucher an

Dieses schwatzhafte Insekt o barbarischer Dichter
Kehrte keusch zur Stunde des Sterbens zurück
In den kostbaren Wald mit den knospentragenden Vögeln
Mit den Kröten die das Azur und die Quellen reiften

Ein Triumph zog vorüber klagend unter dem Regenbogen
Mit blassen Lorbeerträgern aufrecht in den Wagen
Die Statuen schwitzend die Possen die Lämmer
Und die rauhe Angst der Pfauinnen und der Gänse

Die Witwen gingen voran und zählten die Trauben ab
Die Bischöfe schwarz verehrend ohne es zu wissen
Im gleichschenkligen Dreieck offen für das Gebiss der Chormäntel
Pallas und sangen die Hymne an die Schöne aber Schwarze

Die Reiter warfen uns in die Zukunft
Die Alkianzen voll Asche oder Blumen
Wir werden florentinische Küsse haben ohne es zu sagen
Doch im Garten kamst du heute Abend weise und Dieb

Verehren die deiner Sekte ein obszönes Zeichen
Belphegor die Sonne das Schweigen oder den Hund
Diese furtive Glut der Schlangen die einander lieben
DER SCHAUSPIELER

Und der Dieb der Früchte schrie Ich bin Christ

CHOR

Ah! Ah! die Halsketten werden klirren die Masken fallen
Geh fort geh fort gegen das Feuer obsiegt der Schatten
Ah! Ah! der Dieb zur Linken im Sturm
Wird über dich lachen wie die Pferde wiehern

FRAU

Dieb der Früchte wende zu mir deine lyrischen Augen
Füllt mit Nüssen die Tasche des Helden
Er ist edler als der pythagoreische Pfau
Der Delphin die männliche Viper oder der Stier

CHOR

Ah! Ah! wir werden die ganze Nacht die Sistren schütteln
War die ligurische Stimme also ein Talisman
Und wenn du nicht von rechts bist bist du sinister
Wie ein grauer Fleck oder die Vorahnung

Da das Absolute fällt ist der Fall ein Beweis
Der doppelt wird dreifach bevor er gewesen ist
Wir werden zugeben dass die Schwangerschaften uns rühren
Die Bäuche allein werden die Aseität leugnen können

Sieh die Vasen sind voll feuchter moralischer Blumen
Geh fort aber entblößt da alles unser ist
Höre aus dem Chor der Winde die plagalen Kadenzen
Und nimm den Bogen um das Einhorn oder das Gnu zu töten

Der zweideutige und zarte Schatten ist die Trauer deines Fleisches
Und dunkel ist er menschlich und dann auch der unsere
Geh fort die Dämmerung hat leichte Schimmer
Und dann würde keiner von uns deinen Erzählungen glauben

Er glänzte und zog an wie die Pantaure
Hätte er doch die Stimme und die Röcke des Orpheus gehabt
Und die Frauen die nachts vorgaben Kühe zu sein
Hätten ihn geliebt wie man ihn liebte da er in der Tat

Er war blass er war schön wie ein aussätziger König
Hätte er doch die Stimme und die Röcke des Orpheus gehabt
Der Stein genommen aus der Leber eines alten Hahns von Tanagra
Statt des traurigen Schilfs und der düsteren Last

Wäre er doch an den Hof des Königs von Edessa gegangen
Mager und magisch hätte er das Firmament erforscht
Blass und magisch hätte er Dichterinnen geliebt
Gerecht und magisch hätte er die Dämonen verschont

Geh fort irre gläubig und rothaarig mit deinem Schatten
Sei es! die Triade ist männlich und du bist jungfräulich und kalt
Der Tastsinn ist relativ doch das Sehen ist oblong
Du hast kein Zeichen als das Zeichen des Kreuzes

Guillaume Apollinaire

Übersetzung von Poésies 123 mit Unterstützung des KI-Modells deepseek-chat erstellt.

Text veröffentlicht auf Poésies 123: https://www.poesies123.com/de/gedicht-der-dieb-guillaume-apollinaire/