An ein junges Mädchen

Gedicht von Alphonse De Lamartine Sammlung Neue poetische MeditationenEpoche 19. Jahrhundert

Ein Kuß auf meine Stirn! ein Kuß, und wär’s im Traume!
Doch von der Stirn, die sinnt, entflieht der kühle Kuß;
Doch meinen dürren Tagen fehlt des Sommers Saume;
Doch nimmer wird Aurora kosen mit der Nacht.

Sie träumte wohl auch, daß ihr Atem mir die Klimate
Der jungen Jahre wiedergäbe, die verweht,
Daß auf ein Menschenhaupt der Schnee hinweg nun schmolze,
Und daß der Seele Blume zweier Blüten harrt.

Sie träumte wohl auch, daß auf meiner Wange
Mein Haar, vom Wind aus meinen Augen weggestrichen,
Gleich schwebendem Gagat, den ihr Haupt umschüttelt,
In seinen seidnen Flocken ihre müden Finger bade.

Sie träumte wohl auch, daß die Unschuld
Vor einem Wunsche ihre Rosen und Lilien wahre;
Daß ich Jocelyn und daß sie Laurence wäre,
Daß uns das blühende Tal in seinen Falten berge.

Sie träumte wohl auch, daß mein Entzücken
In melodischen Versen wie einstens weinte;
Daß mein Herz unter ihrer Hand zur Leier würde,
Die in einem einzigen Seufzer zwei Stimmen anschlägt.

Verhängnisvolles Traumbild! Ganz mein Wesen schauert;
Man könnte meinen, mein Blut wolle seinen Lauf zurück.
Kind, erzählt nicht mehr eure Träume einem jeden,
Und träumt niemals, oder träumt nur immerfort!

Alphonse de Lamartine

Übersetzung von Poésies 123 mit Unterstützung des KI-Modells deepseek-chat erstellt.

Text veröffentlicht auf Poésies 123: https://www.poesies123.com/de/gedicht-an-ein-junges-maedchen-alphonse-de-lamartine/